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Editions(vor)geschichte
Um den Doktortitel tragen zu dürfen und aus Geldmangel hatte ich die Dissertation 1996 in München zuerst auf Mikrofiches mit einer Auflage von 150 Exemplaren publiziert. Das wurde vom Prüfungsamt akzeptiert - und es hätten sogar 50 Exemplare gereicht. Ich hatte die Richtlinien wohl nicht genau genug gelesen. Im folgenden Jahr strebte eine ernstzunehmendere Form der Veröffentlichung an. Ich stellte das Buch einer Reihe von Verlagen vor. Doch aus verschiedenen Gründen kam es zu keinem Verlagsvertrag.
Für Suhrkamp Wissenschaft hatte ich sogar eine Empfehlung von Durs Grünbein. Das war aber wohl nicht der richtige Name, denn das Lektorat reagierte nicht einmal. Zwei Jahre später, anlässlich Grünbeins Hochzeit, hatte ich Gelegenheit, mich persönlich beim Verleger Unseld und seiner Frau - eher im Scherz - zu beschweren. Tatsächlich kam danach die überfällige Absage mit der Begründung, dass Suhrkamp grundsätzlich keine Dissertationen veröffentlicht. Der Verbleib des Manuskripts ist bis heute nicht geklärt.
Eine andere interessante Adresse war der Verlag Duncker&Humblot, bei dem Carl Schmitt u. a. eine der wichtigsten Schriften zum Thema veröffentlicht hatte, nämlich Der Begriff des Politischen. Diese Anbahnung lief zuerst sehr vielversprechend, denn das Lektorat war tatsächlich interessiert an dem Manuskript. Als es jedoch zum Thema Vorveröffentlichung kam, sagte der Geschäftsführer Prof. Dr. jur. h.c. Norbert Simon kategorisch, dass ein Werk, auch wenn es nur auf Mikrofiches bereits erschienen sei, in seinem Verlag nicht mehr publiziert werden könnte.
Im Juni 2002 erreichte mich dann eine höchst enthusiastische Email von Prof. Dr. Raimar Zoons, dem Leiter des Wilhelm Fink Verlags. Er hatte die Probekapitel "mit so großem Gewinn und Interesse gelesen", dass er das ganze Manuskript haben wollte. Und er war sich "jetzt schon sicher, dass diese Untersuchung hervorragend in das Verlagsprogramm passt". Er bedankte sich sogar noch einmal "für diese höchst anregende Lektüre". Ich schickte ihm das ganze Manuskript und hörte dann sechs Monate lang nichts mehr. Kurz vor Weihnachten desselben Jahres erhielt ich dann die Absage mit der Begründung, dass man derzeit keine hinreichend großen Absatzchancen sehe. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.
Etwa zur selben Zeit beschäftigte sich auch Frau Dr. Grünkorn, die Cheflektorin des Walter De Gruyter Verlags, mit dem Manuskript. Auch sie fand es "sehr anspruchsvoll und interessant". Dennoch überwogen die Zweifel an der Marktgröße. Ihre Absage machte zumindest glaubhaft, dass ihr diese Entscheidung schwer gefallen war.
Einige andere Verlage der zweiten Liga hatten ebenfalls abgesagt und so vergingen sechs Jahre, ohne dass dieses Grundlagenwerk das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte. Daraufhin entschloss ich mich 2003, einen eigenen Verlag zu gründen, den Perlen Verlag. Ich hatte ähnliche Erfahrungen im literarischen Bereich gemacht und zunehmend das Vertrauen verloren, dass Qualität sich wirklich durchsetzt, wenn der Buchmarkt so stark nach sachfremden Kriterien arbeitet.
Gerade in letzter Zeit konnte man beobachten, dass andere Werke, die vielleicht noch viel wichtiger und bedeutender sind als mein eigenes, nicht veröffentlicht werden. Die Studien über die christlichen sowie syro-aramäischen Grundlagen des Korans von Günther Lüling, der bereits vor über 20 Jahren zu dem Thema publizieren wollte, und Christoph Luxenberg (dazu jeweils ein ausgezeichneter Artikel in der FAZ und in der ZEIT), die das Zeug dazu haben, eine islamische Reformation auszulösen, sind von allen deutschen akademischen Verlagen abgelehnt worden.
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