Eine politische Philosophie der Moderne
Die kopernikanische Wende in der Politischen Philosophie hat begonnen.
Politische Subjektivität Der lange Weg vom Untertan zum Bürger Hannah Arendts große philosophische Entdeckung
Rezensionen
Die Neue Züricher Zeitung schreibt am 17. März 2007: "Relativitätstheorie der Politik....Die Menschheit könne aus dem Vergangenen nichts lernen, weil sie das Wesen des Politischen noch immer falsch verstehe. Dass er, Grünenberg, eine neue Reflexionstheorie, gar eine Relativitätstheorie der Politik gefunden habe, wird schon auf der ersten Seite der Einleitung hochkarätig statuiert....Ein Wurf, kompromisslos gedacht und nirgendwo versöhnlich, schon gar nicht gegenüber den Helden des deutschen Nachkriegsdenkens wie Dieter Henrich, Jürgen Habermas oder Niklas Luhmann."
von Reginald Grünenberg ist im Dezember 2006 im Perlen Verlag erschienen. 474 Seiten, broschiert, Glossar, Autoren- und Sachregister, zahlreiche Bilder und Graphiken, ISBN 3-9809000-1-0 Ladenpreis € 22,60 Bestellbar ohne Versandkosten beim Verlag - oder über amazon.de und den Buchhandel
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Das Projekt ist entstanden aus der Unzufriedenheit des Autors mit der Grundlagenforschung in der Politikwissenschaft und in der politischen Philosophie. Insbesondere in Deutschland ist man in diesen Disziplinen nicht über Aristoteles hinausgekommen. Das Problem besteht unter anderem darin, dass als Grundlage der Politik immer noch das moralische Subjekt angenommen wird wie es in der griechischen Antike erdacht wurde. Die politische Philosophie ist nach über 2000 Jahren noch ganz gefangen in der Moralphilosophie. Die wenigen Versuche, aus dieser Situation herauszukommen, waren dezisionistische, reduktionistische und funktionalistische Ansätze à la Thomas Hobbes und Carl Schmitt. Sie haben dem Politischen jeweils das Modell eines mechanischen oder dikatatorischen Subjekts zugrunde gelegt.
Hannah Arendt misstraute der Philosophie daher grundsätzlich. Sie attestierte ihr eine Politikfremdheit, die sie seit ihren Ursprüngen nicht überwunden hat. Nur ein großer philosophischer Autor schien die Grundlagen für eine genuine politische Philosophie liefern zu können: Immanuel Kant.
Arendt hatte bereits in den 1950er Jahren die Vermutung, dass es im menschlichen Denken ein eigenes Organ für das Politische geben müsste. Und sie vermutete weiter, dass Kant dieses Organ in seiner Kritik der Urteilskraft entdeckt und erstmals beschrieben hat.
Doch Kant hatte seine "dritte Kritik" zu ganz anderen Zwecken geschrieben. Dazu kommt, dass es eines der komplexesten und unerforschtesten Bücher der Philosophiegeschichte ist.
Hannah Arendt hat eine gründliche Auseinandersetzung mit der Kritik der Urteilskraft nie versucht um ihre These zu beweisen. Das ist nun geschehen.
Das vorliegende Resultat schließt zumindest in einer Hinsicht unmittelbar an die Kritik der Urteilskraft an, denn die Entdeckung der politischen Subjektivität hat wahrscheinlich eines der schwierigsten und anspruchsvollsten Bücher über Politik und politische Philosophie hervorgebracht, die je geschrieben wurden. Um den philosophischen Kerngedanken zugänglich zu machen, wird das ganze Thema historisch, soziologisch und literarisch vorbereitet.
Im historischen Teil A werden drei Themen untersucht, die im Europa des 18. Jahrhundert simultan aufgetaucht sind, nämlich der Individualismus im Kraftfeld der bürgerlichen Revolutionen, die Ästhetik als Theorie und Praxis sowie die neuen Formen der Öffentlichkeit. Ist diese Konstellation als das Zeichen einer anthropologischen Evolution zu lesen? Handelt es sich dabei um die Emergenz eines neuen Denkvermögens?
Vieles deutet darauf hin. Im philosophisch-kulturanthropologischen Teil B wird das historische Material philosophisch entzündet. Das Brennglas hierfür ist – und damit wird Hannah Arendts These gefolgt – die Kritik der Urteilskraft von Kant. Dabei wird die Fragestellung vorab präzisiert. Ist dieses sich artikulierende Denkvermögen ein politisches? Gibt es eine spezifische Form und Fähigkeit des politischen Urteilens? Die wichtigste und eigentlich philosophische Frage lautet: Was ist das spezifisch Politische dieser Denk- und Urteilsform?
Doch der sogenannte Schlußstein der kritischen Philosophie (dem die Kritik der reinen Vernunft und die Kritik der praktischen Vernunft vorausgegangen sind) kann nicht einfach auf diese Fragestellung angewandt werden. Die Kritik der Urteilskraft muss zu diesem Zweck vielmehr umgebaut werden. Dabei soll dieser Umbau nicht gegen den Kantischen Text gehen. Im Gegenteil: die Kontramethode, die dazu eingesetzt wird, folgt streng den Regeln der kritischen Philosophie.
Erst danach kommt die Untersuchung zu ihrem theoretischen Zentrum, nämlich zur Deduktion der Einheit des politischen Urteils. Diese hochformale Einheit wird der Leitfaden, mit dessen Hilfe die politische Qualität aller Erscheinungen und Handlungen sich analysieren und rekonstruieren lässt. An einer Vielzahl von Beispielen wird gezeigt, was genuin politisches Urteilen bedeutet und wie erstaunlich voraussetzungsvoll es ist. In diesem neuen Licht werden auch die Überlegungen von Carl Schmitt noch einmal gewürdigt. Ebenso wird das Politische bei den Griechen erörtert und eine allgemeine Theorie politischer Emergenz formuliert.
Abschließend wird ein spannendes und seit Max Weber eigentlich gut erforschtes Phänomen völlig neue gedeutet: das Charisma. Damit wird beispielhaft gezeigt, was ein philosophisch gut fundierter Begriff der politischen Subjektivität leisten kann.
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[Bild links oben: Portrait von Hannah Arendt, alle Rechte beim Hannah Arendt Trust]
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